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Die Energiewende kann jeder bei sich zu Hause vollziehen

Im Jahr 2002 privatisierte die Hamburger Landesregierung die bis dahin städtische Energieversorgung. Der rot-grüne Senat hatte die Übernahme der staatlichen Hamburgischen Elektrizitätswerke durch den schwedischen Atomkonzern Vattenfall jahrelang vorbereitet. Vor allem die von Vattenfall betriebenen Atomkraftwerke im Hamburger Umland - in Krümmel und Brunsbüttel - machten im Weiteren immer wieder Schlagzeilen mit so genannten „Störfällen“: Brände und Leckagen an den Atommeilern. Inzwischen sind die Reaktoren heruntergefahren, produzieren keinen Strom mehr. Aber noch immer lagert tonnenweise hochradioaktiver Atommüll auf den Vattenfall-Grundstücken. Und niemand weiß, wo dieser einmal sicher entsorgt werden kann. Derzeit baut Vattenfall an der Elbe Deutschlands größtes Kohlekraftwerk –
mit seinem Kohlendioxid-Ausstoß hochgradig klimaschädlich. Die Genehmigung dafür hat 2008 die CDU/Grünen-Regierung erteilt.

Die Energiepolitik des Vattenfall-Konzerns analysiert der international renommierte Energieexperte Stefan Schurig, Direktor „Klima und Energie“ des in Hamburg ansässigen World Future Council.

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Endlich bewegt sich was, in Deutschland und der Welt: Die Bundesregierung will bis 2050 den Strom zu 80% aus erneuerbaren Energien gewinnen. Rund um den Globus wird massiv in die Produktion von Energie aus Wind, Sonne, Wasser oder Geothermie investiert. Immer effizientere Technologien werden entwickelt, die Stromnetze umgebaut, Mobilität neu gedacht.
Umso bemerkenswerter ist, dass die vier großen, in Deutschland marktbeherrschenden  Energiekonzerne Vattenfall, E-on, RWE und EnBW diese Entwicklung beharrlich blockieren, anstatt selbst ganz vorne dabei zu sein, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten. Stattdessen haben Regionalversorger, Bürgerwindparks, Stadtwerke und private Investoren eine der wichtigsten energiepolitischen Weichenstellungen nahezu im Alleingang gewuppt. Sie sind es, die maßgeblich dafür gesorgt haben, dass Deutschland aus der Atomenergie aussteigen kann – und dies ohne Atomstrom aus anderen Ländern importieren zu müssen oder mit dem Ausstoß zusätzlichen Kohlendioxids den dramatischen Klimawandel weiter zu beschleunigen. Unterdessen bekräftigen Vattenfall und Co. unverdrossen ihren Ruf als Klimakiller und Preistreiber.

Problemfall Vattenfall
Wenngleich die großen Stromkonzerne mit immer neuen Werbekampagnen diese Realität zu verschleiern suchen, fließt weiter nur ein geringer Prozentteil der jährlichen Investitionen von Vattenfall, E-on, RWE und EnBW in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Noch immer stammen über 80% ihrer Stromproduktion aus klimaschädlichen fossilen Brennstoffen und Atomkraftwerken. Zu den hierzulande aktuell 20% Strom aus erneuerbaren Energien tragen die vier großen Energieversorger nicht einmal ein Zehntel bei. Dabei könnte Deutschland auf dem Weltmarkt der erneuerbaren Energien eine noch bedeutendere Rolle spielen, hätten Vattenfall und Co. an der Energiewende konstruktiv mitgewirkt. Stattdessen haben die Strommultis jahrelang mit allen Mitteln versucht, den zivilisatorischen Fortschritt zu verhindern. Unvergessen bleibt ihr Versuch, das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien gerichtlich zu stoppen - bis der Europäische Gerichtshof im Jahr 2001 unmissverständlich die Rechtmäßigkeit der Gesetzgebung bestätigte. Danach stieg der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Deutschland innerhalb eines Jahrzehnts von drei auf fast 20 Prozent. Folge: Über 350.000 neue Arbeitsplätze entstanden zwischen Flensburg und Garmisch, auch international wurde ein Boom der erneuerbaren Energien ausgelöst.

PR-Kampagnen machen noch keine Energiewende
Vattenfall verteidigt auf Gedeih und Verderb sein antiquiertes Geschäftsmodell einer zentralistischen Energieproduktion. Noch immer kommen nur etwas mehr als ein Prozent des deutschen Vattenfall-Stroms aus erneuerbaren Energien. Und laut einer von Greenpeace veranlassten Studie des Berliner Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung plant Vattenfall auch in Zukunft keinen Kurswechsel: Zwischen 2011 und 2015 will das Unternehmen konzernweit 18 Mrd. Euro investieren, davon nur drei Mrd. Euro in erneuerbare Energien. Auch wenn man es in der Konzernzentrale in der Hamburger City Nord offenbar noch nicht wahrhaben will: Vattenfall wird nicht umhin kommen umzusteuern, zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Dafür braucht das Vattenfall-Management aktuell offenbar die Unterstützung des Bürgers - des Stromkunden, der zu Hause auf Ökostrom umstellt. Von zertifizierten Anbietern wie Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace-Energy, EWS Schönau oder Hamburg-Energie.
Bis eines Tages auch Vattenfall die Zeichen der Zeit erkannt hat, dürfen wir dem Atom- und Kohlekonzern sein durchsichtiges Manöver nicht durchgehen lassen, sich über vorgebliche Kulturförderung in die Herzen der Hamburgerinnen und Hamburger zu schmeicheln.